Interview mit Birgit Baumgartner von Motherhood e.V.

Birgit Baumgartner von Motherhood e.V.

im Gespräch mit Julia Magenau

Wer oder Was ist Mother Hood e.V. und was macht ihr genau?

Mother Hood ist ein Verein bestehend aus Eltern, sozusagen eine Elterninitiative. Wir setzen uns ein für das Recht auf eine stressfreie, gesunde Schwangerschaft und sichere und selbstbestimmte Geburt ein, sowie für ein gesundes Aufwachsen der Kinder im ersten Lebensjahr. Wir sind ein politisch aktiver Verein. Wir stehen für eine gute Geburtshilfe, eine gute Schwangeren Vor- und Nachsorge und arbeiten dafür hauptsächlich mit Politikern.

 

Wie lange gibt es euch schon und wie viele Mitglieder habt ihr?

Am 23.03 wurde Mother Hood e.V. 5 Jahre alt. Wir haben rund 40 Regionalgruppen mit ca. 1100 Mitgliedern.

 

Welche Funktion hast du bei Mother Hood?

Ich bin aktives Mitglied seit ca. 4 Jahren und bin vor allem hier in München aktiv im Bezug auf politische Diskussionen. Ich habe zum Beispiel mit einigen Bundestagsabgeordneten gesprochen und war kürzlich kurz vor der Stadtratswahl an einer Podiumsdiskussion beteiligt. Wir machen oft auch Messestände, zum Beispiel auf der Baby-Welt um die Frauen, Schwangeren und jungen Mamas zu informieren, dass es uns gibt. Solche Aktivitäten laufen dann auf lokaler Ebene und es kann eigentlich jeder mitmachen.

 

Aus aktuellem Anlass möchten wir von viMUM mit euch über das Thema Corona und Geburt sprechen. Im Brühler Marienhospital und in Bonn im Sankt Katharinen Hospital in Nordrhein-Westfalen finden Geburten derzeit nur noch ohne die Väter statt. Zum Schutz vor Infektionen mit dem Coronavirus betrifft das den Kreißsaal, den OP bei Kaiserschnitten und auch den anschließenden Besuch bei Mutter und Kind. Wie geht es Euch, wenn ihr das hört?

Die Ausgangsbeschränkungen sind länderspezifisch geregelt. Daher gibt es in manchen Ländern Leitlinien für Kliniken und in anderen nicht, wie z.B. NRW. Da ist es dann die Entscheidung der einzelnen Klinik. Dass heißt erstens, dass es Ausweichmöglichkeiten geben könnte. Zum anderen kann Frau sich auf die Leitlinien der WHO und der Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie berufen. Die beziehen ganz klar die Partner in die Geburten mit ein. D.h. besonders restriktive Kliniken verhalten sich nicht leitlinienkonform! Die Details kann man bei uns auf der Webseite nachlesen:

www.mother-hood.de/sichere-geburt/informationen-fuer-eltern/hinweise-und-empfehlungen-fuer-schwangere-zu-corona.html .

 

Was würdet ihr euch als Verein für zukünftige Geburten wünschen?

Wir würden uns wirklich wünschen, dass es zukünftig eine 1:1 Betreuung durch Bezugshebammen gibt, weil es aus unserer Sicht einfach die kontinuierliche und persönliche Zuwendung braucht, um diesen geschützten Rahmen für die physiologische Geburt zu Ermöglichen und so „tatsächliche anwesend“ zu sein. Die Hebamme bekommt dadurch natürlich auch einen besseren Zugang zur gebärenden Frau und ist nicht auf Daten angewiesen, um Ihre Entscheidungen zu treffen. Dadurch wird die Interventionsrate – wissenschaftlich erwiesen – auch gesenkt. Das wäre wirklich unser größtes Anliegen!

 

Was ist Eure Empfehlung für alle, die jetzt Eltern werden. Die Verunsicherung ist nämlich groß!  Was können Väter in dieser Phase nun gegenüber ihrer Frau und ihrem Kind tun?

Es ist klar, dass die Verunsicherung groß ist. Ich würde sagen: Das Beruhigende ist doch, die meisten Bundesländer oder die meisten Kliniken haben kein generelles Verbot für Väter im Kreißsaal. Wir empfehlen den Paaren, wenn die Geburt dann losgeht, sich tatsächlich telefonisch noch einmal zu erkundigen wie die aktuelle Lage vor Ort ist. Vor allem, was die Regeln für die Begleitung betrifft und diese dann auch wirklich einzuhalten. Das ist vergleichbar mit den generell geltenden Ausgangsbeschränkungen und den sozialen Regeln, die wir jetzt in dieser Zeit gerade haben. Je weniger wir Sie beachten, desto strenger wird alles werden. Man muss ja auch sehen, dass die Kreißsäle auch im Normalzustand schon größtenteils am Limit laufen und die Hebammen jetzt natürlich noch mehr zu tun haben. Wenn sie dann auch noch die Väter „Eingangs-Ausgangs-Kontrolle“ machen sollen oder irgendwelche Bestimmungen überwachen sollen, dann geht das einfach nicht. Viele Kliniken erlauben ja die Väter im Kreissaal, sie dürfen aber zum Beispiel den Kreißsaal während der Geburt nicht verlassen: keine Spaziergänge draußen machen, kein Rauchen und vor allem keine Abwechslung mit anderen Begleitpersonen (Mütter, Schwiegermütter, Schwestern, etc.) die dann im Kreissaal übernehmen. An solche Vorgaben muss man sich dann auch halten: Das heißt zum Beispiel einfach auch wirklich mehr Essen mitnehmen! Man weiß ja auch nicht, wie lange die Geburt dauert. Dass man nicht aus der Klinik rausgehen darf dessen muss man sich bewusst sein: Auch wenn eine Geburt eben mal 24 Stunden dauert.

Wenn der Partner das leisten kann und sich mental ein wenig darauf einstellt, dann ist das gut möglich. Das Personal dort wird entlastet, wenn man sich an die Regeln hält. Eine weitere Empfehlung für Schwangere mit einem guten Verlauf ist, vielleicht doch eine ambulante Entbindung in Betracht zu ziehen. Das wäre eine gute Lösung für alle Beteiligten! Wenn Ihr also Nachsorgehebamme habt, ist eine ambulante Geburt eine gute Möglichkeit, Zeit in der Klinik zu reduzieren und somit auch dieses ganze Infektionsrisiko zu minimieren.

Liebe Birgit, vielen herzlichen Dank, dass du die die Zeit genommen hast mit uns zu sprechen! 

 

Julia Magenau ist Marketing- und Sales Consultant für viMUM.